Wir haben dem Sachverständigenrat geschrieben
Lukas Geiger, Gründer von Um:bruch
Heute Abend haben wir eine E-Mail an info@svr-wirtschaft.de geschickt — die offizielle Adresse des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Das Gremium, das die Bundesregierung in Wirtschaftsfragen berät. Die fünf Wirtschaftsweisen.
Um:bruch existiert seit drei Tagen.
Was ist passiert?
Am 1. und 3. April 2026 haben sich zwei der fünf Wirtschaftsweisen öffentlich zum Benzinpreis-Schock positioniert:
- Monika Schnitzer (Vorsitzende) empfahl im ZDF, die Bürger sollten auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen und weniger fahren.
- Veronika Grimm forderte in der Rheinischen Post, die Regierung müsse die Preise „wirken lassen”.
Wir haben die Daten geprüft. Zwei KI-Modelle — Gemini und Copilot — haben unabhängig voneinander die Benzinpreise in neun europäischen Ländern analysiert. Claude hat den Leitartikel geschrieben. Copilot hat eine Evidenzmatrix erstellt und einen Policy-Brief-Entwurf formuliert. Ich habe die Richtung vorgegeben, Fakten gecheckt und das Ganze zusammengeführt.
Das Ergebnis:
- Ein Positionspapier (PP-002) mit 11 Seiten
- Ein Leitartikel mit Datenanalyse, soziologischer Rahmung und 6 Forderungen
- Eine Claim-to-Evidence-Matrix mit 10 wissenschaftlich untermauerten Thesen
- Und jetzt: Ein offener Brief an den Sachverständigenrat
Warum?
Weil die Debatte einseitig geführt wird.
Wenn der Benzinpreis steigt, werden Ökonomen eingeladen. Immer dieselben. Sie sprechen über Angebot und Nachfrage, über Preissignale und Marktmechanismen. Das ist nicht falsch. Es ist nur unvollständig.
Niemand fragt die Soziologin, was kumulative Belastungen mit einer Gesellschaft machen. Niemand fragt den Gesundheitsökonomen, was Energiearmut für die Lebenserwartung bedeutet. Niemand fragt den Politikwissenschaftler, warum das Vertrauen in Institutionen erodiert, wenn der Staat seit Jahren nimmt und nicht zurückgibt.
Die Wirtschaftsweisen sagen: „Preise wirken lassen.” Aber sie sagen nicht dazu, dass die CO₂-Abgabe 2026 um 3 Cent gestiegen ist und der Kriegsaufschlag 37 Cent beträgt. Sie sagen nicht dazu, dass Deutschland 2 % des weltweiten Öls verbraucht und deutsche Nachfragesenkung den Weltmarktpreis nicht bewegt. Sie sagen nicht dazu, dass das versprochene Klimageld nie ausgezahlt wurde und das 9-Euro-Ticket heute 63 Euro kostet.
Was wir fordern
Sechs Punkte, alle im offenen Brief und im Positionspapier ausgeführt:
- Kriegspreisdeckel — Temporäre Steuersenkung in Höhe des Kriegsaufschlags
- Energiegeld — Direktzahlung statt Rohstoffsubvention
- Homeoffice-Offensive — Sofort, kostenlos, wirksam
- Klimageld auszahlen — Wie versprochen
- Belastungsbilanz — Kumulativ, ehrlich, öffentlich
- Rat der Weisen fürs Gemeinwesen — Nicht nur Ökonomen
Werden sie antworten?
Vielleicht nicht. Der Sachverständigenrat ist ein Beratungsgremium der Bundesregierung, kein Parlament mit Anhörungsrecht. Unsere E-Mail landet bei der Geschäftsstelle im Statistischen Bundesamt in Wiesbaden.
Aber darum geht es nicht.
Es geht darum, dass eine evidenzbasierte Gegenposition existiert — öffentlich, nachvollziehbar, mit offenen Daten und offener Methodik. Es geht darum, dass nicht nur Professoren mit Aufsichtsratsmandaten die Debatte bestimmen, sondern dass jeder Mensch mit Daten und Verstand widersprechen kann.
Das ist der Kern von Um:bruch: Wissen gehört nicht hinter Paywalls. Und Widerspruch gehört nicht nur in Hinterzimmer.
Die Dokumente
- Offener Brief an den Sachverständigenrat
- Positionspapier PP-002 (PDF)
- Leitartikel: Benzinpreis-Schock — Entlastung statt Lehrbuch
- Evidenzmatrix: 10 Claims mit Methodik und Grenzen
- Datenanalyse Gemini
- Datenanalyse Copilot
Lukas Geiger, 3. April 2026. Um:bruch | re:shape.